Swatchkarte und Farbkreis – wie ich aus drei Pigmenten eine ganze Farbwelt baue

Warum eine Swatchkarte und ein kleiner Farbkreis aus nur drei Pigmenten die beste Art sind, seine Farben wirklich kennenzulernen.

Aquarell Pigmente
Swatchkarte und Farbkreis – wie ich aus drei Pigmenten eine ganze Farbwelt baue

In meinem Paket liegen nicht nur Motive zum Ausmalen, sondern auch zwei kleine Werkzeuge, mit denen man seine Farben wirklich kennenlernt: eine Swatchkarte und ein Farbkreis. Beide sehen unscheinbar aus, aber sie haben mir mehr über Farbe beigebracht als jedes Buch.

Warum ich Swatchkarten liebe

Eine Swatchkarte ist im Grunde ein Steckbrief für jede einzelne Farbe. Erst wenn ich einen Ton aufgetragen, verdünnt und getrocknet gesehen habe, weiß ich wirklich, wie er sich verhält. Wie hell er auszieht, ob er granuliert, ob er nach dem Trocknen aufhellt, wie warm oder kühl er neben anderen wirkt.

Genau deshalb sind meine eigenen Swatchkarten meine wichtigste Orientierung, wichtiger als jeder Name auf der Tube. Die Karte im Paket trägt selbst das Motiv des Monats, diesmal den Wiesen-Storchschnabel, und lädt dazu ein, die Farben gleich an ihm auszuprobieren. Ein paar Minuten Swatchen zu Beginn ersparen später viele Überraschungen.

Die Swatchkarte mit dem Wiesen-Storchschnabel-Motiv beim Ausmalen

Ein Farbkreis aus nur drei Pigmenten

Noch mehr liebe ich den kleinen Farbkreis, denn er zeigt etwas Verblüffendes: Aus wenigen Pigmenten entsteht eine ganze Farbwelt. Für dieses Motiv habe ich drei ausgewählt, die zugleich die Farben der Pflanze sind. Ein kühles, granulierendes Grün, PG26. Ein warmes Gelbgrün, mein geliebtes Grüngold, PY129. Und ein weiches Rosa, das ich aus PO73 und PV14 mische.

Diese drei sitzen an den Ecken des Kreises. Alles, was dazwischen liegt, entsteht allein aus ihren Mischungen. Und plötzlich braucht es keine dreißig Näpfchen mehr, um ein ganzes Blatt lebendig zu malen.

Nahaufnahme des Farbkreises und des Swatch-Motivs mit Storchschnabel-Blüten

Was die Mischungen verraten

Das Schöne am Mischen entlang des Kreises ist, dass man dabei sein eigenes Auge schult. Das Grüngold und das Grün ergeben zusammen die frischen und die tiefen Blatttöne. Das Rosa und das Grün, die sich im Farbkreis gegenüberstehen, dämpfen sich gegenseitig zu ruhigen, natürlichen Grautönen, genau die, die einem Bild Tiefe geben, ohne es schmutzig zu machen. Und das Rosa mit dem Gelbgrün ergibt die warmen Übergänge in den Knospen und Stielen. Die Blüten des Wiesen-Storchschnabels selbst reichen von einem zarten Rosa bis zu einem kühlen Violett, und genau diese Spanne lässt sich aus dem einen Rosa herausholen, indem man es ein wenig wärmer oder kühler stimmt.

Wer einmal einen solchen Kreis selbst gemalt hat, versteht seine Farben danach anders. Man sieht nicht mehr nur Grün und Rosa, sondern spürt, wie sie zusammengehören.

Warum das für mich dazugehört

Für mich ist genau das der Kern meiner Arbeit: dass Malen zu einem Verstehen wird und nicht zu einem Raten. Eine kleine, stimmige Farbauswahl nimmt die Angst vor dem Mischen und sorgt fast von selbst für Harmonie, weil alle Töne aus derselben Familie stammen. Deshalb liegt in jedem Paket neben den Motiven auch dieses kleine Handwerkszeug. Welche Farben am Ende dauerhaft in meinem Kasten wohnen, habe ich in Meine perfekte Farbpalette gezeigt.