Meine perfekte Farbpalette – die Farben, zu denen ich immer wieder greife

Ich habe meine letzten 22 Aquarelle ausgewertet und geschaut, welche Farben ich wirklich benutze. Herausgekommen ist so etwas wie meine persönliche Palette – überraschend klein, fast durchweg Monopigment und fast ohne Mischen.

Aquarell Pigmente
Meine perfekte Farbpalette – die Farben, zu denen ich immer wieder greife

In meinem Beitrag über die richtigen Aquarellfarben habe ich behauptet, dass mich große Standard-Farbkästen eher ausbremsen und dass für leuchtende Blumen kaum ein Weg an Monopigmentfarben vorbeiführt. Diesmal wollte ich wissen, ob das wirklich stimmt – oder ob ich es mir nur einbilde.

Also habe ich zurückgeschaut. Ich habe meine letzten 22 Bilder genommen und für jedes notiert, welche Farben ich tatsächlich verwendet habe. Was dabei zum Vorschein kam, ist so etwas wie meine ganz persönliche Palette – und die sieht anders aus, als ich es erwartet hätte.

Immer wieder dieselben Farben

Obwohl ich inzwischen weit über hundert Aquarellfarben besitze, entsteht ein einzelnes Bild bei mir fast immer aus nur acht bis neun Tönen. Und über alle Bilder hinweg tauchen erstaunlich oft dieselben Farben auf.

Eine einzige Farbe findet sich in 18 meiner 22 Bilder wieder – also in fast jedem. Sieben weitere nutze ich in mehr als der Hälfte aller Bilder. Es gibt also eine kleine Gruppe von Lieblingsfarben, zu der ich immer wieder greife, ganz automatisch. Mit dieser Handvoll ließe sich bereits der Großteil meiner Aquarelle malen.

Genau das ist für mich der Kern der Sache. Ein großer Kasten verspricht Vielfalt – gemalt wird am Ende aber mit wenigen, vertrauten Farben.

Eigentlich mische ich fast nie

Bei dieser Auswertung wurde noch etwas anderes sichtbar: Ich mische beim Malen so gut wie gar nicht. Genau genommen gibt es nur einen einzigen Farbton, den ich regelmäßig selbst anmische – ein dunkles Lila aus Phthalogrün (PG7) und Quinacridone Magenta (PR122). Alles andere kommt entweder als reines Pigment oder als fertige Farbe direkt aufs Papier.

Ich bin, ehrlich gesagt, kein großer Fan vom Mischen. Ich lasse die Pigmente und fertigen Farben lieber auf mich wirken. Als autistischer Mensch mit ADHS und einer Synästhesie – ich rieche Blumen sogar von Fotos oder von gut gemalten Bildern – ergeben klare, reine Farben für mich einfach mehr Sinn als ein vielschichtiges Gemisch. Vielleicht ist genau das der eigentliche Grund, warum meine Palette so aussieht, wie sie aussieht.

Warum fast alles Monopigment ist

Mehr als die Hälfte meiner verwendeten Farben besteht aus einem einzigen Pigment. Und je häufiger ich eine Farbe benutze, desto wahrscheinlicher ist sie eine Monopigmentfarbe: Unter meinen zehn meistgenutzten Tönen sind neun reine Einzelpigmente.

Das ist kein Zufall. Monopigmentfarben verhalten sich auf feuchtem Papier vorhersehbarer, bleiben sauberer und leuchten in floralen Motiven einfach zuverlässiger. Da ich ohnehin kaum mische, spielen sie ihre größte Stärke voll aus: reine, klare Farbe, ohne dass etwas vermatscht.

Zahlreiche Aquarellfarben in feinen Abstufungen von kräftig bis zart

Die größte Überraschung: fast kein Blau

Ein Ergebnis hat mich trotzdem verblüfft. Reines Blau habe ich in all diesen Bildern nur ein einziges Mal verwendet. Für jemanden, der so viel malt, klingt das fast unmöglich.

Beim Nachdenken ergibt es aber Sinn. Meine Motive sind Blüten, und Blüten sind selten schlicht blau. Sie leben von Pink, Magenta und warmen Gelbtönen. Und da ich kaum mische, greife ich auch nicht zu Blau, um daraus etwas anderes zu machen. So bleibt es fast vollständig im Kasten – bereit für den Tag, an dem mich doch einmal etwas Abstraktes reizt.

Meine Palette

Genug der Zahlen – hier sind die Farben selbst.

Swatch-Karte der zehn meistgenutzten Farben, jeweils mit Pigment-Bezeichnung

Das sind meine zehn meistgenutzten Töne aus den letzten 22 Bildern, mit ihren Pigmenten und ihrer Häufigkeit:

  1. Grüngold – PY129 · in 18 von 22 Bildern
  2. Sap Green – PY150, PG7, PR122 · in 14 Bildern
  3. Nickeltitangelb – PY53 · in 14 Bildern
  4. Quinacridone Magenta – PR122 · in 14 Bildern
  5. Phthalogrün – PG7 · in 13 Bildern
  6. Perylengrün – PBk31 · in 11 Bildern
  7. Quinacridone Coral – PR209 · in 10 Bildern
  8. Aquarius Orange – Roman Szmal, Einzelpigment · in 6 Bildern
  9. Quinacridone Pink – PV19 · in 6 Bildern
  10. Neon Pink – PR122 (mit fluoreszierendem Zusatz) · in 6 Bildern

Auffällig ist die Mischung aus warmen Gelb- und Grüngoldtönen, leuchtenden Pinks und Magentas – und dazwischen die Grüns für Blätter und Stängel. Die einzige wirklich mehrpigmentige Farbe in dieser Auswahl ist Sap Green, mein fertig gekauftes Grün. Grün ist damit die bewusste Ausnahme von meiner Monopigment-Regel. Ich habe mir zwar durchaus Gedanken gemacht, wie man ein perfektes Grün selbst mischt – doch Blätter und Stängel sind für mich meist das Gerüst der Blüte: ruhig und eher im Hintergrund. Ein fertiges Grün hält hier meinen Malfluss aufrecht und bewahrt mich vor Matsch, während die reinen, leuchtenden Pigmente der Blüte vorbehalten bleiben.

Skizzenbuch-Seite mit Grün-Mischungen auf der Suche nach dem perfekten Grün

Mein Fazit

Diese kleine Rückschau hat mir gezeigt, was ich vorher nur gefühlt habe. Ich brauche keinen großen Farbkasten. Ich brauche meine Farben – und die bestehen überwiegend aus einem einzigen Pigment.

Ein Standardset mit 24 Tönen würde mir wohl zwanzig Farben liefern, die ich kaum berühre, und ausgerechnet die leuchtenden Pinks und Grüngoldtöne vermissen lassen, die meine Bilder ausmachen. Für mich ist der umgekehrte Weg viel sinnvoller: eine kleine, bewusst zusammengestellte Palette aus Farben, deren Pigmente ich kenne und deren Verhalten ich einschätzen kann.

Und trotzdem – ein kleines Geständnis: In meinem Farbkasten stecken exakt 80 ausgewählte Farben. Den sieht man übrigens regelmäßig in meinen Instagram-Reels und in den begleiteten Mal-Sessions. Im Schrank liegen noch etliche weitere, vor allem viele Brauntöne, sodass ich insgesamt auf über hundert komme. Anschauen kann man sie alle auf meiner Seite Meine Pigmente. Warum so viele, wenn ich doch immer wieder zu denselben greife? Weil man nie weiß, wann die Lust auf etwas Neues oder Abstraktes kommt. Dann dürfen endlich auch die vielen Blautöne ran, die in meinen Blüten sonst kaum eine Rolle spielen.

Am Ende geht es nicht darum, möglichst viele Farben zu besitzen – sondern seine wenigen wirklich zu kennen.

Genau diese Palette lese ich aus meinen letzten 22 Bildern heraus. Und ehrlich gesagt: Sie fühlt sich goldrichtig an.


Pigment-Datenbanken, die ich nutze

Wer tiefer in die Welt der Pigmente eintauchen möchte, dem seien diese drei Seiten ans Herz gelegt – ich greife selbst regelmäßig darauf zurück: