Spitzwegerich, das kleine Heilkraut am Wegrand – mit Rezept für selbst gemachte Bonbons

Warum der unscheinbare Spitzwegerich mehr ist als ein Motiv: seine traditionelle Wirkung, und ein Rezept für selbst gemachte Bonbons zum Ausmalen und Nachmachen.

Aquarell Material
Spitzwegerich, das kleine Heilkraut am Wegrand – mit Rezept für selbst gemachte Bonbons

Meine neue Reihe, die freundlichen Wilden, beginnt mit einer Pflanze, an der die meisten einfach vorbeigehen: dem Spitzwegerich. Für mich ist er das perfekte erste Motiv, denn er zeigt genau das, was ich an den Wilden so liebe. Er ist unscheinbar, wächst überall, und steckt trotzdem voller kleiner Wunder.

In meinem August-Paket liegt zu diesem Motiv ein besonderer Bogen. Er ist zum Ausmalen gedacht und zugleich ein echtes Rezept. Man kann ihn also aufhängen und einfach nur schön finden, oder ihn benutzen und sich daraus etwas Feines kochen. Beides zusammen finde ich viel schöner als ein reines Übungsblatt.

Ein Kraut, das jeder kennt und keiner beachtet

Der Spitzwegerich wächst an jedem Weg, an jeder Wiese, in jeder Ritze am Straßenrand. Seine schmalen, aufrechten Blätter mit den deutlichen Längsrippen kennt fast jeder, ohne den Namen dazu zu wissen. Aus der Blattrosette wachsen dünne Stängel, die oben eine kleine walzenförmige Ähre tragen, umkränzt von einem zarten Ring aus weißen Staubgefäßen. Genau dieser feine Kranz ist es, der ihn beim Malen so reizvoll macht.

Er ist ein Überlebenskünstler. Er lässt sich betreten, abmähen und übersehen und kommt trotzdem immer wieder. Vielleicht mag ich ihn auch deshalb so gern.

Eine kleine Wiesenapotheke

Der Spitzwegerich ist nicht nur schön, er ist seit Jahrhunderten ein geschätztes Kraut der Volksheilkunde. Erst neulich bin ich beim Spazieren in ein Brennnesselfeld geraten, und das Brennen habe ich mir einfach mit einem zerriebenen Spitzwegerichblatt weggerieben. Genau dafür kenne ich ihn schon aus Kindertagen. Ein frisch zerdrücktes Blatt kühlt, der austretende Saft legt sich über die Haut und der Juckreiz lässt spürbar nach. Es ist eines dieser alten Dinge, die viele noch von ihren Großeltern kennen, und die einfach funktionieren.

Traditionell wird der Spitzwegerich außerdem bei Reizhusten und Halskratzen verwendet. Seine Blätter enthalten Schleimstoffe, die sich wie ein sanfter Film über die gereizte Kehle legen. Genau darauf baut auch das kleine Bonbon-Rezept auf dem Bogen. Ein Hinweis liegt mir am Herzen: Ich bin keine Ärztin, und das hier ist kein medizinischer Rat, sondern altes Hausmittelwissen, weitergegeben aus Freude an den Pflanzen.

Malen und verwenden zugleich

Der Rezeptbogen ist mein liebster Teil des August-Pakets, weil er zwei Dinge verbindet, die ich beide liebe: das Malen und die Pflanze selbst. Man koloriert den gedruckten Spitzwegerich in seinen eigenen Farben und hat am Ende nicht nur ein Bild, sondern eine kleine Anleitung, die man wirklich benutzen kann.

Meine Hand koloriert den gedruckten Spitzwegerich auf dem Rezeptbogen

Beim Ausmalen lohnt es sich, ruhig genau hinzuschauen. Die Blätter sind nicht einfach grün, sie changieren von einem warmen Gelbgrün an den jungen Trieben bis zu einem tiefen, kühlen Grün in den älteren Blättern. Die Ähre trägt ein sanftes Braun, und der Staubgefäßkranz bleibt am schönsten, wenn man das Weiß des Papiers dort einfach ausspart.

Und wer den Rezeptbogen lieber Schritt für Schritt mit mir zusammen ausmalen möchte, findet die passende Mal-Session dazu im Atelier.

Spitzwegerich-Bonbons zum Selbermachen

Und so wird aus dem Motiv etwas für die Teetasse. Das Rezept vom Bogen:

Der ausgemalte Spitzwegerich im Glas auf dem Rezeptbogen, mit dem Bonbon-Rezept daneben

Zutaten
100 ml starker Spitzwegerichtee (aus 2 Esslöffeln getrocknetem Kraut)
200 g Zucker
1 Teelöffel Zitronensaft
1 Teelöffel Honig
etwas Öl für das Backpapier

So geht es
Den Tee aus den getrockneten Blättern aufkochen und auf etwa 100 Milliliter einreduzieren, dann abseihen. Mit dem Zucker und dem Zitronensaft bei mittlerer Hitze karamellisieren lassen, bis die Masse goldbraun ist. Zum Schluss den Honig einrühren und sofort kleine Tropfen auf ein geöltes Backpapier setzen. Abkühlen lassen und in einer Dose zwischen Reispapier oder mit etwas Puderzucker aufbewahren, damit die Bonbons nicht zusammenkleben. Fertig sind kleine Helfer für die nächste kratzige Kehle.

Warum mir das so viel bedeutet

Für mich steckt genau darin der ganze Gedanke der freundlichen Wilden. Eine Pflanze, die keiner will, ist in Wahrheit schön, nützlich und großzügig. Sie schenkt den Insekten Nahrung, uns ein Hausmittel und dem Papier ein wunderbares Motiv. Wer das nächste Mal einen Spitzwegerich am Wegrand sieht, bleibt vielleicht kurz stehen, so wie ich. Mehr über die ganze Reihe habe ich in meinem Beitrag über die freundlichen Wilden erzählt, und wer selbst mitmalen möchte, findet alles im Atelier für Kreative.