Kleine Helfer, die die Kreativität beflügeln – und einer, den ich meide

Fineliner, Aquarellstifte, Stempel, Washi Tape und mehr – kleine Hilfsmittel, die das Malen spielerischer machen. Plus eines, auf das ich bewusst verzichte.

Aquarell Material
Kleine Helfer, die die Kreativität beflügeln – und einer, den ich meide

Kreativität ist für mich kein Talent, das man einfach hat oder nicht hat. Sie ist eher wie ein Muskel – und manchmal braucht es nur einen kleinen Anstoß, damit sie in Bewegung kommt. Genau dafür liebe ich bestimmte kleine Helfer. Sie sind selten wirklich notwendig, aber sie öffnen neue Türen, nehmen die Scheu vor dem leeren Blatt und laden zum Spielen ein.

Hier sind ein paar meiner liebsten – und einer, auf den ich bewusst verzichte.

Fineliner

Der Fineliner begleitet mich schon lange. Feine Linien, Blattadern, Staubgefäße oder eine ganze Outline – damit bekommt eine Pflanze Struktur und Charakter. Wie sehr eine sichtbare Linie ein Bild verändern kann, habe ich in meinem Beitrag über Vorlagen und Outlines beschrieben. Wichtig ist nur, zu wasserfesten Modellen zu greifen, damit sich die Linien beim Aquarellieren nicht auflösen.

Aquarellstifte

Aquarellstifte nutze ich auf zwei Arten. Einmal als Vorzeichnung – immer dann, wenn ich später bewusst keine sichtbare Outline haben möchte. Und einmal für feine Details direkt im Bild: Dazu tunke ich den Stift kurz ins Wasser, löse so die Pigmente an und male damit auf feuchtem Papier. Für solche feinen Akzente ersetzt er mir einen dünnen Pinsel.

Etui mit Aquarellstiften und ein Skizzenbuch mit Iris-Studie

Stempel

Stempel wirken auf den ersten Blick vielleicht verspielt, aber genau das ist ihr Reiz. Kleine Muster, angedeutete Blüten oder ein strukturierter Hintergrund entstehen in Sekunden – ohne Druck und ohne Angst, etwas falsch zu machen. Wichtig ist dabei wasserfeste Tusche – genau wie beim Fineliner –, damit sich der Abdruck beim Übermalen nicht auflöst. Besonders schön sind Stempel für kleinere Werke wie Grußkarten oder für den Skizzenblock.

Skizzen- und Swatchblöcke

Ein eigener Block nur zum Ausprobieren ist für mich Gold wert. Hier darf alles schiefgehen. Ich teste neue Farben, wärme mich auf, probiere Verläufe oder halte Ideen fest, bevor sie ins eigentliche Bild wandern. Und weil ich meine Farben nach ihren Pigmenten kenne, lege ich mir dort immer wieder Swatchkarten an – sie sind meine wichtigste Orientierung. Besonders schön: Ich kehre immer wieder zu denselben Seiten zurück und ergänze Muster oder Farben, die gerade passen. So werden aus einem einfachen Übungsblock mit der Zeit richtige kleine abstrakte Kunstwerke.

Skizzenbuchseite mit abstrakten Aquarell-Farbflächen und Fineliner-Details

Pastell- und Farbstifte zum Kritzeln

Zum reinen Kritzeln liebe ich Pastell- beziehungsweise Wachsstifte wie die Neocolor von Caran d'Ache – es gibt sie wasserfest und wasserlöslich, und beide haben ihren Reiz. In Kombination mit nicht löslichen Farbstiften lassen sich damit wunderbar abstrakte Werke schaffen. Hier lohnt es sich, auf die Lichtechtheit zu achten, damit die Farben lange leuchten.

Besondere Pinselformen

Ein Pinsel muss nicht rund sein. Eine Katzenzunge legt Blütenblätter mit einem einzigen Strich an, ein Schlepper zieht endlos feine Linien, ein Fächerpinsel deutet Gräser oder Struktur an. Welche Form zu welcher Aufgabe passt, habe ich in meinem Beitrag über die besten Pinsel gesammelt. Schon ein einziger ungewohnter Pinsel kann den eigenen Stil in eine neue Richtung schubsen.

Malschwamm

Für lockere Nass-in-Nass-Hintergründe befeuchte ich mein Papier am liebsten mit einem weichen Malschwamm. Er verteilt das Wasser gleichmäßiger, als es ein Pinsel könnte, und die Pigmente fließen anschließend besonders weich ineinander. Auch für Strukturen wie angedeutetes Blattwerk ist er ein schönes Werkzeug. Mehr dazu steht in meinem Beitrag über Aquarelltechniken.

Washi Tape und Klebeband

Ein einfacher Streifen Klebeband kann erstaunlich viel. Er hält das Papier an Ort und Stelle, schafft einen sauberen weißen Rand oder klare Kanten und Formen. Washi Tape ist dabei besonders freundlich zum Papier und lässt sich später rückstandslos wieder abziehen. Ein schmaler weißer Rahmen rund um ein fertiges Aquarell wirkt oft schon wie ein kleines Passepartout.

Florale Washi-Tape-Rollen neben Aquarellskizzen im Skizzenbuch

Und einer, den ich meide: Maskierflüssigkeit

Ein Hilfsmittel lasse ich bewusst weg: die Maskierflüssigkeit. Sie hält zwar zuverlässig helle Stellen frei, während man großzügig darüber hinwegmalt. Ich habe aber die Erfahrung gemacht, dass das Papier an genau diesen Stellen mit der Zeit vergilbt. Deshalb spare ich meine hellen Bereiche lieber von Anfang an aus oder arbeite mit Negativmalerei. Das braucht ein wenig mehr Planung, erhält dafür aber die Reinheit des Papiers.

Mein Fazit

Keines dieser Hilfsmittel macht ein Bild automatisch schöner. Aber sie machen das Malen leichter, spielerischer und oft überraschender. Kreativität entsteht selten unter Druck – sie entsteht beim Ausprobieren. Und genau dazu laden diese kleinen Helfer ein.