Die besten Aquarellpinsel – warum teurer nicht automatisch besser malt
Warum teurer nicht automatisch besser malt – und worauf es bei Aquarellpinseln wirklich ankommt: Wasseraufnahme, Form und Pflege.
Wer sich mit Aquarell beschäftigt, stößt früher oder später auf dieselbe Empfehlung: Ein guter Rotmarderpinsel sei das wichtigste Werkzeug überhaupt. Als ich vor über zwanzig Jahren mit Aquarell begonnen habe, galt das als unumstößliche Wahrheit. Rotmarderpinsel waren der Heilige Gral der Aquarellmalerei. Für mich als Schülerin waren sie allerdings unbezahlbar.
Also griff ich zu einer günstigeren Alternative aus Eichhörnchenhaar und war viele Jahre überzeugt, damit bereits das Beste gekauft zu haben. Diese Pinsel haben mich lange begleitet. Erst als sich irgendwann die Zwinge löste und die Pinsel auseinanderfielen, mussten sie ersetzt werden. Erstaunlicherweise waren die Haare bis dahin noch immer in einem guten Zustand.
Heute male ich ausschließlich mit synthetischen Pinseln. Nicht, weil Tierhaarpinsel schlecht wären. Sondern weil moderne Kunstfasern inzwischen eine Qualität erreicht haben, die mich vollkommen überzeugt. Und wenn ich bei meinen Aquarellfarben bewusst auf Produkte ohne Ochsengalle achte, fühlt es sich für mich nur konsequent an, auch bei den Pinseln auf tierische Materialien zu verzichten.
Wasseraufnahme statt Tierhaar
In den letzten Jahren hat sich bei synthetischen Pinseln unglaublich viel getan. Gute Pinsel müssen heute keine Tierhaare mehr haben. Die besten Modelle imitieren Wasseraufnahme, Elastizität und Rückstellkraft von Naturhaar erstaunlich gut. Für meine botanischen Motive sehe ich deshalb keinen Grund mehr, auf Tierhaarpinsel zurückzugreifen.
Viel entscheidender als die Frage, ob ein Pinsel aus Naturhaar oder Kunstfaser besteht, ist für mich seine Wasseraufnahmefähigkeit. Aquarell lebt vom Wasser. Ein Pinsel, der viel Wasser und Farbe aufnehmen kann, ermöglicht längere, gleichmäßigere Pinselstriche und sorgt dafür, dass der Malfluss nicht ständig unterbrochen wird.
Je weicher die Haare sind, desto mehr Wasser können sie in der Regel speichern. Auch die Größe des Pinsels spielt eine wichtige Rolle. Ein größerer Rundpinsel oder längere Pinselhaare nehmen deutlich mehr Wasser und Farbe auf als ein kleiner Detailpinsel. Das bedeutet nicht, dass große Pinsel nur für große Flächen geeignet sind. Im Gegenteil: Ein großer Rundpinsel mit einer feinen Spitze lässt sich erstaunlich präzise führen und muss wesentlich seltener neu aufgenommen werden.
Gerade Anfänger greifen oft automatisch zu sehr kleinen Pinseln, weil sie glauben, damit genauer arbeiten zu können. Nach meiner Erfahrung macht das das Malen jedoch häufig unnötig schwer. Die geringe Wassermenge im Pinsel führt dazu, dass die Farbe schneller antrocknet. Es entstehen sichtbare Pinselspuren, weiche Übergänge gelingen schlechter und ein Blütenblatt wirkt schnell fleckig statt gleichmäßig. Ein etwas größerer Pinsel mit guter Spitze macht das Malen oft deutlich entspannter.

Die Form ist wichtiger als das Material
Wenn mich heute jemand fragt, welche Pinsel ich für den Einstieg empfehlen würde, überrascht meine Antwort viele. Der Preis steht ziemlich weit unten auf meiner Liste. Viel wichtiger sind Form und Größe.
Ein guter Rundpinsel mit definierter Spitze ist für botanische Motive fast unverzichtbar. Er kann große Flächen anlegen und gleichzeitig mit seiner feinen Spitze filigrane Linien ziehen. Oft male ich damit nahezu ein komplettes Bild und wundere mich danach selbst, dass ich zwischenzeitlich nicht den Pinsel gewechselt habe. Aber der ständige Wechsel würde mich ohnehin aus dem Malfluss reißen.
Für lockere Hintergründe verwende ich grundsätzlich gerne große, weiche Rundpinsel. Durch ihre hohe Wasseraufnahme lassen sich Farbverläufe ruhig und gleichmäßig anlegen, ohne ständig neue Farbe aufnehmen zu müssen.
Katzenzungenpinsel gehören ebenfalls zu meinen Favoriten. Ihre leicht ovale Form eignet sich wunderbar, um Blütenblätter mit nur einem Pinselstrich anzulegen. Viele Blütenformen ergeben sich dadurch fast von selbst.
Für feine Stängel, Blattadern oder Gräser greife ich dagegen lieber zu einem Schlepper oder Liner mit etwas festeren Haaren. Sie speichern zwar weniger Wasser, behalten dafür aber auch bei längeren Linien ihre präzise Spitze.

Ein guter Pinsel malt nicht von allein
Oft macht also nicht der Hersteller den Unterschied, sondern der passende Pinsel für die jeweilige Aufgabe. Viele Anfänger glauben, ein teurer Pinsel würde ihre Bilder automatisch verbessern. Diese Erfahrung habe ich nie gemacht. Leider.
Ein hochwertiger Pinsel kann das Malen angenehmer machen. Er ersetzt aber weder Übung noch das Verständnis für Wasser oder Farben. Wenn ich entscheiden müsste, wofür ich mein Budget ausgebe, würde ich zuerst in gutes Papier investieren. Danach in ausgewählte Farben. Und erst anschließend in technisch vernünftige Pinsel. Mit einem soliden Einsteigerpinsel lassen sich bereits wunderschöne Aquarelle malen.
Synthetische Pinsel eines deutschen Herstellers – für meine Malweise genau die richtige Mischung aus Wasseraufnahme, Elastizität und feiner Spitze. Aber kein Muss: Fast jeder Hersteller bietet heute gute synthetische Serien. Wichtig ist nur, dass sich der Pinsel für dich gut anfühlt und zu deiner Malweise passt.

Ein Pinsel hält nur so lange, wie man ihn behandelt
Früher dachte ich, der perfekte Pinsel würde meine Bilder besser machen. Heute weiß ich, dass ein guter Pinsel vor allem eines tun sollte: Er sollte Wasser zuverlässig aufnehmen, eine feine Spitze behalten und sich selbstverständlich anfühlen. Ob er dabei aus Naturhaar oder Kunstfaser besteht oder besonders teuer war, ist für mich längst zur Nebensache geworden.
Am Ende soll der Pinsel nicht im Mittelpunkt stehen. Er soll dir helfen, dich ganz auf das zu konzentrieren, was du eigentlich malen möchtest – die Schönheit einer Blume.
Egal ob Einsteigerpinsel oder Premium-Modell – beide lassen sich innerhalb kurzer Zeit ruinieren. Wer seine Pinsel dauerhaft im Wasserglas stehen lässt, beschädigt die feinen Haare und belastet zusätzlich die Klebestelle in der Zwinge. Auch kräftiges Schrubben auf dem Papier oder eingetrocknete Farbe verkürzen die Lebensdauer erheblich.
Dabei ist die Pflege eigentlich ganz einfach. Nach jeder Mal-Session wasche ich meine Pinsel mit Pinselseife aus. So entferne ich auch Pigmente, die sich tief zwischen den Haaren festgesetzt haben. Anschließend bringe ich die Spitze vorsichtig wieder in Form und lasse die Pinsel liegend trocknen – nicht mit den Haaren nach oben. Bleibt Wasser im Inneren der Zwinge stehen, kann sich der Kleber mit der Zeit lösen und der Pinsel fällt irgendwann auseinander – genau wie meine ersten Pinsel vor vielen Jahren. Mit etwas Sorgfalt können selbst einfache Einsteigerpinsel viele Jahre halten.