Warum ich Blumen male und liebe

Warum ich seit meiner Kindheit Blumen liebe – von der Stockrose meiner Oma bis zu der Ruhe, die das Malen mir schenkt. Ein sehr persönlicher Blick hinter meine Motive.

Aquarell Persönlich
Warum ich Blumen male und liebe

Ich male nicht einfach Blumen. Ich liebe sie – und das schon, seit ich denken kann. Mein allererstes Bild als Kind war eine riesige Blume, die ein ganzes Blatt Papier ausfüllte.

Schon damals haben mich ihre Farben, ihre Formen und ihre Düfte in den Bann gezogen, oft so sehr, dass ich sie intensiver wahrgenommen habe als vieles andere um mich herum. Dieses Gefühl ist bis heute geblieben.

Blumen mit allen Sinnen

Ich nehme Sinneseindrücke sehr stark wahr – das ist bei Neurodivergenz oft so: Wir nehmen alles besonders intensiv und vor allem gleichzeitig wahr, ohne es zu filtern. Bei mir gehört auch eine Synästhesie dazu: Ich rieche Blumen sogar von Fotos oder von gut gemalten Bildern. Eine Wiese im Frühsommer, ein einzelner Mohn, der Duft nach Regen – solche Momente treffen mich unmittelbar und mit voller Wucht. Das Malen ist für mich eine Möglichkeit, diese vielen intensiven Eindrücke zu ordnen und festzuhalten.

Autistische Menschen entwickeln außerdem häufig ein Spezialinteresse – etwas, in das sie ganz eintauchen. Ich bin ziemlich sicher, dass Blumen eines meiner Spezialinteressen sind. Insofern ist lieben fast noch untertrieben.

Aquarell einer pinkfarbenen Cosmea

Warum malen und nicht fotografieren?

Mir geht es beim Malen gar nicht darum, eine Pflanze möglichst exakt abzubilden. Dafür könnte ich einfach ein Foto machen. Es geht mir um etwas anderes: um die Zeit mit der Blüte, um die Farbe, die über das Papier fließt, um jeden einzelnen Farbton, den ich fühle. Ein Aquarell entsteht im Moment – und genau diese Lebendigkeit macht es für mich so besonders.

Wenn es leiser wird

Für mich ist Malen weit mehr als eine schöne Beschäftigung. Durch mein ADHS ist es in meinem Kopf eigentlich immer laut – ständig viele Ideen, Gedanken und Sorgen gleichzeitig. In einem Haus mit drei Kindern sowieso. Wenn ich male, wird es leiser.

Und durch meinen Autismus trage ich einen starken Hang zur Perfektion in mir. Beim Malen darf der ruhen: Hier muss ich nichts kontrollieren. Ein Aquarell muss nicht korrekt sein – es muss nur etwas transportieren. Genau dieses Loslassen tut mir gut. Und oft entsteht das Schönste ohnehin dort, wo ich den Pigmenten ihren eigenen Weg lasse.

Aquarell einer Stockrose in Rosa und Rot

Die Stockrose und meine Oma

Eine Blume berührt mich ganz besonders: die Stockrose. Sie erinnert mich an lange Sommertage bei meiner Oma – an sonnige Tage, lange Abende und Abenteuer, die größer waren als ich. Kindheit ist für mich weniger ein Ort als ein Gefühl: Geborgenheit und Freiheit zugleich, ein Gefühl von Weite und Leichtigkeit. Genau dieses Gefühl versuche ich in meinen Bildern wiederzufinden – nicht aus Nostalgie, sondern um es ins Heute zu holen. Nicht zufällig eröffnet die Stockrose meine Reihe Nature Palette Vol. 1.

Mehr als schön

Was mich außerdem an Blumen fasziniert: Sie sind nicht nur schön. Sie geben unzähligen Tieren Nahrung und ein Zuhause – und uns Menschen Freude. Deshalb schätze ich heute selbst das kleinste Blümchen am Straßenrand. Als Kind hätte ich es garantiert gepflückt und mitgenommen. Heute lasse ich es stehen, für die Insekten und all die kleinen Lebewesen, die davon leben.

Aquarell eines Mohns in zarten Rosatönen

Warum ich das weitergeben möchte

Genau dieses Gefühl möchte ich teilen. Nicht jeder erlebt Blumen so intensiv wie ich – aber die Freude daran, mit Farbe eine Blüte entstehen zu lassen, ist für viele erreichbar, sobald ihnen der Einstieg leicht gemacht wird. Deshalb entwickle ich Vorlagen, Farbpaletten und geführte Mal-Sessions: damit möglichst viele diesen kleinen, ruhigen Moment für sich entdecken können – das Gefühl, eine Blume mit Freude aufs Papier zu bringen.

Am Ende male ich Blumen also nicht nur, weil sie schön sind. Ich male sie, weil sie mich berühren – und weil ich mir wünsche, dass dieses Berührtsein ein wenig ansteckend ist.